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1883 bis zum 1.Weltkrieg

Zur Geschichte des Musikvereins

[entnommen aus der Jubiläumsschrift des Musikvereins anlässlich seines 100.Jubiläums im Jahre 1983]
 

1883 bis zum 1.Weltkrieg

In der Zeit der Industrialisierung fällt auch der erneute Versuch zur Gründung eines Musikvereins. So fanden sich im Frühjahr 1883 sechs junge Leute zur Gründung einer Blasmusikkapelle zusammen. Es waren dies die Gebrüder Friedrich und Heinrich Bischopink, Franz Kruse - Spiekers, Wilhelm Becker-Borggraefe, Peter Schmelzer und Peter Huster. Zunächst erfolgte ein loser Zusammenschluss der Musiker. Die ersten Proben sollen in der Schule zu Sporke stattgefunden haben, weil man von der dort bestehenden Musikkapelle erste technische Unterweisung erhielt. Diese jungen Leute baten dann später ihren früheren Lehrer Emil Schmalohr, die endgültige Gründung eines Musikvereins zu übernehmen. Emil Schmalohr, der neben seiner Lehrertätigkeit auch das Amt des Organisten an der St. Nikolaus-Kirche versah, war hierzu offenbar gern bereit. Die Gründung der Blaskapelle erfolgte dann im Juni 1883 unter dem Namen „Musikverein Förde".

Erst Ende Januar 1983 konnten wertvolle Unterlagen - sie galten bisher als im 2. Weltkrieg abhandengekommen - aus den Gründerjahren und später gefunden werden. Diese geben einen interessanten Einblick in die Gründungszeit. Nach Gründung der Kapelle im Sommer 1883 wurden die „Statuten für den Musikverein in Förde" am 27.12.1883 errichtet. Die Vereinsmitglieder vollzogen diese Statuten unter Angabe des jeweiligen Instrumentes mit ihrer Unterschrift. Daran angeschlossen wurde das Vereinsvermögen aufgeführt. Späterhin wurden Änderungen der Statuten vorgenommen und vom „Amtmann" zu Bilstein polizeilich genehmigt.

Die Gründung des Musikvereins und der Aufbau einer Blaskapelle wurden in der Gemeinde Förde lebhaft begrüßt. Der Verein erfuhr bereitwillige Unterstützung und konnte bereits nach kurzer Zeit die notwendigen Instrumente anschaffen. Die aktiven Mitglieder waren voller Idealismus und hatten manches Opfer zu bringen sowie vielerlei Schwierigkeiten zu meistern. Man denke nur daran, dass es noch kein elektrisches Licht gab und man hierfür bei den Probestunden vorsorgen musste. So wurden die Proben offensichtlich bei Petroleumlicht abgehalten. Jedenfalls lassen dies die Angaben über Ausgaben für Petroleum im Kassenbuch des Jahres 1895 vermuten. Die wöchentlich festgesetzten drei Probestunden wurden später im Schulraum der Knabenklasse unter der Leitung des Dirigenten Emil Schmalohr abgehalten. Nach etwa sechs Monaten zählte die Kapelle bereits 12 Musiker. Diese Zahl blieb in den Folgejahren etwa konstant. Zu den Gründungsmitgliedern stießen später noch folgende Musikfreunde:

Josef Bischopink Bonzel; Joh. Bieke Bonzel; Heinrich Bleffgen Förde; Emil Sternberg Förde; Richard Kramer Förde; Albert Beckmann Förde; Bernhard Deutenberg Förde; Franz Quinke Förde; Franz Brandt Grevenbrück, Louis Schulte Trockenbrück; Franz Koch sen. Förde; Georg Koch Förde; Anton Vogt Förde; Gerhard Neu Förde; Josef Müller Förde; Johann Duwe Trockenbrück.

Die Musiker bemühten sich, ihr Können unter Beweis zu stellen. Im Ort und in der näheren Umgebung wurde bereits im Jahre 1884 bei vielen Anlässen aufgespielt. Vielfach wurde - teils zusammen mit den Gesangvereinen - in den Gasthöfen zu „Musikalischer Unterhaltung" eingeladen. Anzeigen in der Presse der Jahre 1885 und 1886 und die Eintragungen in den Kassenbüchern aus jener Zeit belegen dies.

Für das Konzert am 15. 11. 1885 in Helden vermerkte man im Kassenbuch einen Reinertrag von 24,50 Mark, für das Konzert am 27. 12. 1885 in Elspe 33,50 Mark und am 06. 01. 1886 in Grevenbrück 32,10 Mark. Am Fastnachtssonntag 1887 in Helden wurde aufgespielt und ein Reinertrag von 14,25 Mark sowie am Fastnachtsdienstag im Gasthof Heuell ein Betrag von 30,50 Mark erwirtschaftet.

 

Die noch so junge Kapelle erlitt 1896 einen herben Verlust. Ihr Gründer und Dirigent Emil Schmalohr starb im Mai 1896. Der Mitbegründer Heinrich Bischopink übernahm das Amt des Dirigenten. Die Mitgliederzahl war inzwischen auf 16 gestiegen. Heinrich Bischopink erlitt 1903 einen schweren Berufsunfall und konnte dieses Amt nicht mehr ausüben. An seine Stelle trat Georg Koch, der zugleich als Vorsitzender bis 1920 dem Musikverein vorstand, bis auch er aus gesundheitlichen Gründen seine Ämter niederlegen musste. In Anerkennung seiner Verdienste wurde Georg Koch 1955 zum Ehrendirigenten ernannt.

Bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges verzeichnen die Unterlagen ein sehr reges Vereinsleben. Zu den regelmäßigen Verpflichtungen am Ort gehörten die musikalische Gestaltung der Feste des Kriegervereins Förde und der Jünglingssoladität Förde.

Das öffentliche Leben war damals durch ein starkes Nationalbewusstsein und Treue zum Kaiser gekennzeichnet. In Förde hatte sich diesen Gedanken besonders der Kriegerverein verpflichtet, der neben dem St. Blasius-Schützenverein das örtliche Vereinsleben maßgeblich beeinflusste. Die Kriegervereinsfeste wurden sowohl in der Schützenhalle als auch als Wald- und Wiesenfeste gefeiert.

Nach den Statuten besteht der Zweck des Vereins in der „Ausbildung von Horn- und Streichmusik". Aus dem Verzeichnis der Instrumente des Jahres 1883 ist zu entnehmen, dass neben den Blas- und Schlaginstrumenten auch Geigen und Kontrabass zur Ausstattung der Kapelle gehörten und diese von den Mitgliedern erlernt wurden. Aufzeichnungen oder Protokolle geben keinen endgültigen Aufschluss darüber, bis zu welcher Zeit neben der „Hornmusik" auch Streichmusik dargeboten wurde. Allerdings lassen alte Rechnungen und Schriftwechsel mit Instrumentenbauern aus den Jahren vor und nach 1900 vermuten, dass auch Streichmusik zur Aufführung gekommen ist. Insbesondere bei den kleineren Gemeinschaftsveranstaltungen mit dem Gesangverein soll die Streichmusik vorgeherrscht haben. Aus mündlichen Überlieferungen kann die Ausübung der Streichmusik neben der Blasmusik bis in die 30er Jahre gefolgert werden.

Daneben wird das Aufspielen zu den Nachbarschützenfesten in Rönkhausen, Hagen (Allendorf), Kirchhundem, Brachthausen u.a. bis 1914 nachgewiesen. Der 1. Weltkrieg unterbrach zwangsläufig das Vereinsleben und insbesondere die Ausbildung der nachrückenden jungen aktiven Mitglieder. Umso erfreulicher war es nach der Beendigung des Krieges, den damals in Förde stationierten Gendarmeriewachtmeister: Klitzing, einen ehemaligen Militärmusiker, für das Amt des Dirigenten zu gewinnen. Leider musste dieser infolge Versetzung schon nach 2 Jahren sein Amt niederlegen, welches er mit Umsicht und einem hohen Maß an musikalischer Begabung ausübte.

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